Geboren wurde ich als zweites Kind eines Pelzers in Confluentes (Coblenz), welches unter der Verwaltung des Erzstiftes Trier liegt. Mit den etwa 1000 Einwohnern ist es eine Handelsmetropole und wir führten hier ein ruhiges Stadtleben. Mein Bruder folgte einem Händler in die fernen Länder, so dass ich allein bei meinen Eltern zurückblieb.

 

Ich wurde verheiratet mit dem ersten Gesellen und bekam bald zwei wunderschöne Töchter. Wir übernahmen das Geschäft meiner Eltern, die Herstellung und der Handel mit Pelzgewerken, da Coblenz am Handelsweg Mainz-Cologne-Xanten liegt.

 

Das Geschäft lief zunächst gut, aber mein Gemahl vertrank unsere Habe in den Wirtshäusern, weshalb meine Mutter aus Gram starb. Mein Gemahl verschwand eines Tages spurlos, erst viele Jahre später löste sich das Rätsel um seinen Verbleib.

 

Ich musste die Kürschnerei allein fortführen, um all die Schulden zu bezahlen. Gott sei Dank hatte ich treue Stammkunden unter den Händlern und Bürgern, welche für die Hoffeste immer neue Pelzarbeiten brauchten, doch ohne Mitgift konnte ich für meine Töchter bisher noch keine standesgemäßen Freier auswählen. So halfen meine Kinder mir bei meinem Geschäft. Ich selbst wurde zwar umworben, musste aber als gute Christin darauf warten, dass sich das Schicksal meines Gemahls erfüllte.

 

Eines Tages begegnete ich dann Michael of Waterford. Er hatte Eichhörnchen- sowie Zobelfelle aus Ungarn mitgebracht und wollte damit Handel treiben und von mir einen neuen warmen Wams gefertigt haben. Zunächst machten wir gute Geschäfte miteinander. Er hatte ritterliche Manieren und ich konnte mich mit ihm auf kluge Art unterhalten. Das gefiel mir, da die meisten Männer nur auf gemeine Art feilschen. Allerdings sollte es bis zur Heirat noch 16 Jahre dauern und auch heute ist mein neuer Gemahl immer noch rastlos.

 

Meist ergreift ihn die Unruhe im Frühling, und wenn es meine Zeit erlaubt reise ich mit ihm, aber auch mein Geschäft muss weitergehen. Im Herbst und Winter, wenn er dann heimkehrt, habe ich viele Aufträge und dann wird in der Werkstatt jede Hand gebraucht. Außerdem muss ich meinen alten Vater pflegen und meine Töchter passend verheiraten. Wenn ich dann Enkel haben sollte, werden Michael und ich wohl deren Ausbildung mit übernehmen, je nachdem ob es Kämpfer oder Handwerker werden sollen.

 

 

Manchmal denkt man, es ist stark, festzuhalten, doch es ist das Loslassen, was wahre Stärke zeigt.


 

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